Du brauchst Freude

Es klingt ein wenig nach Fühl-dich-gut-Floskel und ist auch irgendwie jedem klar. Aber eben nicht richtig klar. Es ist wirklich ganz, ganz essenziell, dass wir immer wieder mal richtig Freude, so etwas wie Selbstvergessenheit oder Erfüllung verspüren. Regelmäßig sehe ich es bei Freunden und auch bei mir selbst: Wenn im Alltag zu viel Stress ist und man über Wochen und Monate nur ackert und im Hamsterrad gefangen ist, dann wird man immer unbewusster, schneller krank, verfressen und nervös.


Wenn das alles über Jahre geschieht, macht etwas in uns „zu“. Das wirkt sich dann mit der Zeit eindeutig auf den Körper aus – nicht nur auf die Psyche, wie man gemeinhin denkt. Die Psyche meldet sich als erste, meist mit Stimmungsschwankungen und emotionalen Ausrutschern oder Ausbrüchen, die man aber oft auf anderes (oder andere) schiebt, nach außen projiziert. Die leise Stimme im Innern kann man nun mal leicht überhören, wenn sie einem gerade nicht in den Kram passt.

Umlenken und Umwege machen

Das Heilmittel ist tatsächlich so etwas ganz Einfaches wie Rausgehen, sich treiben lassen, Umwege machen, kleine Begebenheiten wahrnehmen und beobachten, Lächeln, Lachen, sich wieder mit Dingen beschäftigen, die uns Spaß machen oder mal Spaß gemacht haben – alles, was uns auf gute und neue Gedanken bringt.

Sehr schön ist auch die Idee, sich jeden Tag für eine Weile hinzusetzen und zu überlegen, wofür man dankbar ist. Das hilft ungemein, die eigene Perspektive umzulenken. Es ist immer wieder erstaunlich, wie viel man entdeckt, für das man dankbar sein kann.

Solche Dinge sollte man regelmäßig machen! Am besten integriert man sie ganz bewusst in das eigene Leben. Also echt eine Zeit festlegen und dann wie einen wichtigen Termin behandeln … So simpel es auch erscheinen mag, es hat etwas richtig Heilsames.

Zweckfreie Zeit, Selbstvergessenheit

Nur weil wir nicht mehr Kinder sind, heißt das nicht, dass wir nicht faul, selbstvergessen oder ausgelassen sein dürfen oder einfach mal wieder zeitlos, zweckfrei vor uns hindümpeln können. Wenn die Arbeit das ganze Leben bestimmt, nur noch Routine und Verpflichtung anstehen, ist das nicht gut – es ist richtig schädlich, weil etwas Tieferes in uns nicht zum Ausdruck kommt. Diese ganzen unbewussteren Anteile, das Irrationale, Sinnlose und Fremde in uns.

Das Irrationale, Sinnlose, Unvorhersehbare

Warum geraten wir überhaupt so in das Getriebensein von Arbeit und Stress? Häufig ist es eine unterschwellige Angst vor dem Urteil anderer, vor Armut, Ausgrenzung, man will kein „Loser“ sein. Auch die Geschwindigkeit, mit der heute alles – dank digitalem Tempo – vonstatten geht, lässt uns viel mehr arbeiten lässt, als uns gut tut.

Lukrativität und Effizienz beherrschen dann alles. Der Rest ist „Unsinn“. Aber gerade Unsinn, Sinnloses und Unkalkulierbares machen das Leben kreativ und lassen uns wieder ins Staunen geraten. Auch in diesem Bereich muss unser Inneres aufatmen können. Im Müßiggang entwickeln sich ganz neue Ideen. Und hier erkennt man, wo man gerade steht, was einen innerlich bewegt. Der Kontakt zu sich selbst braucht Ruhe und eine Pause vom Trott.

Nicht nur mal kurz innehalten

Bis das Alltagsgeschehen und die Gedanken erst einmal etwas ruhiger werden, braucht es allerdings seine Zeit. Erst wenn alles abebbt, eine gewisse Leere entsteht, öffnet sich Raum für anderes oder Neues. Das passiert erst, wenn wir richtig runterkommen und dann noch etwas mehr dabei bleiben runterzukommen. Also nicht nur 5 Minuten Pause. Es geht vielmehr darum, sich wieder mal richtig einen Tag zu gönnen, an dem man absolut gar nichts macht. Ich weiß, das Tempo der Welt lässt das nicht so leicht zu. Aber man muss sich diese „Freiheit“ einfach nehmen.

Hier noch ein schöner Beitrag, der gut zu dem Thema passt: Rick Hanson berichtet, wie positive Erfahrungen sogar unser Gehirn verändern.

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